Die Geschichte von Ilha Grande
Indigene Völker, Piraten, eine Quarantänestation und eines der gefürchtetsten Gefängnisse Brasiliens — wie eine dunkle Vergangenheit Ilha Grande zu einem geschützten Paradies machte.

Indigene Ursprünge
Lange bevor europäische Schiffe eintrafen, war die Insel von den Tupinambá bewohnt, einem der Tupí-Guaraní-Völker dieses Küstenabschnitts. Sie hinterließen Muschelhügel (Sambaquis) und Ortsnamen, die bis heute erhalten sind. Portugiesische Seefahrer erreichten die Bucht Anfang des 16. Jahrhunderts, und die Insel erschien auf Karten als strategischer Punkt auf der Route zwischen Rio de Janeiro und São Paulo.
Piraten und Schmuggler
Jahrhundertelang waren die geschützten Buchten von Ilha Grande ein Unterschlupf für Piraten, Korsaren und Schmuggler. Die versteckten Buchten machten die Insel zu einer natürlichen Basis für Schmuggel — zunächst Gold und später, entlang dieser Küste, illegal verschleppte versklavte Menschen nach dem Verbot des transatlantischen Sklavenhandels. Legenden von vergrabenen Schätzen ranken sich noch heute um Strände wie Saco do Céu und Lagoa Azul.
Die Quarantänestation Lazareto
1886 ließ die kaiserliche Regierung das Lazareto errichten, eine Quarantänestation nahe der Vila do Abraão, in der ankommende Einwanderer festgehalten und auf Krankheiten wie Cholera untersucht wurden, bevor sie aufs Festland durften. Ihre mächtigen Steingebäude und das Aquädukt, das sie versorgte, stehen noch heute als Ruinen — auf einem leichten Spaziergang von Abraão aus erreichbar und langsam vom Wald zurückerobert.
Die Gefängnisinsel
Aus dem Lazareto wurde später ein Gefängnis, und im 20. Jahrhundert erhielt Ilha Grande seine berüchtigtste Einrichtung: die Strafkolonie Cândido Mendes in Dois Rios, auf der zum offenen Meer gewandten Seite. Während der Militärdiktatur waren dort sowohl gewöhnliche Häftlinge als auch politische Gefangene inhaftiert; sie gilt als einer der Orte, an denen die Ideen hinter Rios Comando Vermelho Gestalt annahmen. Das Gefängnis wurde geschlossen und 1994 abgerissen.
Vom Gefängnis zum geschützten Paradies
Dieselbe Abgeschiedenheit, die die Insel zum Gefängnis machte, schützte auch ihre Natur. Nach dem Ende der Strafkolonie wurde Ilha Grande dem Naturschutz gewidmet. Der Großteil ist heute der Naturpark Ilha Grande (Parque Estadual da Ilha Grande) und weitere Schutzgebiete, die atlantischen Regenwald, seltene Tierwelt und Dutzende unberührte Strände bewahren. 2019 wurde Ilha Grande — zusammen mit der historischen Stadt Paraty — als gemischte UNESCO-Welterbestätte eingetragen, ausgezeichnet für Kultur und Biodiversität.
Wer heute über die Insel wandert, kann diese vielschichtige Vergangenheit noch lesen: das Aquädukt und die Lazareto-Ruinen bei Abraão, das ehemalige Gefängnisgelände und das kleine Museum in Dois Rios und den Wald, der über allem wieder gewachsen ist.